Herausforderung Heimkampf
Für die Luftpistolen-Mannschaft des TSV Ötlingen steht am 15. November der Heimkampf ihrer Bundesliga-Saison an. Da die Trainingsstätte im Rübholz dafür viel zu klein ist, empfängt die Schützenabteilung ihre Gäste in der Kirchheimer Sporthalle Mitte. Dabei verspricht der Liga-Modus ein spannendes Event nicht nur für Kenner der Schießsport-Szene. Durch die Live-Übertragung samt stetiger Prognose ist der Wettkampf-Verlauf jederzeit gut nachvollziehbar: Einfach mal kommen und mitfiebern!
Allerdings könnte die Ausgangssituation für den Gastgeber schlechter kaum sein: Tabellenletzter, als einziges Team bislang noch ohne Sieg. Trotzdem kann man der Mannschaft kaum einen Vorwurf machen, denn „jeder bringt das, was er kann“, wie es Abteilungsleiter Roland Preissler auf den Punkt bringt. Dass es bislang noch nicht zu einem Sieg gereicht hat, dafür gibt es viele Gründe. Erinnert sei nur an die Proteste in Italien, die den fest eingeplanten Einsatz von Margherita Veccaro beim Ligastart unmöglich machten – höhere Gewalt. Oder die Winzigkeit von 0,1 Ring, die Matea Štrbac im Stechen um den Mannschaftspunkt unterlag – fehlendes Glück.
Andererseits gab es grandiose Einzelleistungen wie die von Amelie Vogler am vergangenen Wettkampfwochenende. Mit einer persönlichen Bestleistung von 371 Ringen gewann sie ihr Duell. Doch noch viel höher einzuschätzen ist die Art und Weise, wie ihr dies gelang. Denn nach dem 34. Schuss schien ein Sieg schier unmöglich. Da ihr Gegner den Wettkampf bereits beendet hatte, war klar, dass nur noch das Optimum von sechs Zehnern hintereinander zum Sieg reichen würde. Vogler kämpfte buchstäblich bis zur letzten Minute. Ein Zehner nach dem anderen fiel, während die Uhr unaufhaltsam heruntertickte. Genau 1:11 min stand auf dem Bildschirm, als sie zu ihrem letzten Schuss ansetzte. „Die Schnapszahl ist ein gutes Omen“, dachte sie – und traf abermals die Zehn.
Es sind diese individuellen Leistungen, die trotz der miserablen Tabellensituation Mut machen für den Rest der Saison. „Zwei Mannschaftssiege sind durchaus noch möglich“, so die Einschätzung von Trainer Markus Geipel. Doch die Erwartungen für den Heimkampf sind auch bei ihm nicht allzu hoch. Schließlich müssen seine Schützlinge ausgerechnet zu Hause gegen ein absolutes Spitzenteam antreten, den Vorjahressieger Weil am Rhein. Auf die beiden Top-Schützen Margherita Veccaro und Yosuf Dikeҫ kann die Mannschaft leider auch an diesem Wettkampftag nicht zählen. Beide starten für ihre Nationalmannschaft bei der zeitgleich stattfindenden WM in Kairo. So kann es für die Ötlinger realistisch betrachtet trotz des Heimvorteils kaum um den Sieg gehen, wohl aber um gute Leistungen und vielleicht um einen Einzelpunkt.
Bis es soweit ist, gibt es für die Vereinsmitglieder rund um Cheforganisator Roland Preissler noch einiges zu tun. Schließlich muss extra für diesen einen Tag in der Kirchheimer Sporthalle Mitte eine regelkonforme Wettkampfstätte aufgebaut werden. Das heißt: Teppiche verlegen, Tische aufstellen, elektronische Schießstände samt Beleuchtung aufbauen, alles verkabeln, den Kommandostand einrichten, zahlreiche Hinweisschilder aufhängen und natürlich die Bewirtung für Sportler und Fans sicherstellen.
Bis zur Hallenöffnung um 10 Uhr gibt es also einiges zu tun. Um 11 Uhr startet das Schießsport-Event mit einem Pokalfinale der Kreisjugend – große Bühne für den Nachwuchs. Dem schließt sich das Training der sechs Bundesliga-Mannschaften an. Dann geht es Schlag auf Schlag: Um 15 Uhr ist Wettkampfbeginn für die erste Bundesliga-Paarung, bevor es um 16.30 Uhr für die nächsten beiden Teams ernst wird. Den sportlichen Abschluss des Tages bildet schließlich der Wettkampf der Heimmannschaft, der um 18 Uhr startet.
Mit diesem Höhepunkt endet ein langer Wettkampftag für die Ötlinger Sportler und Fans. Die Helfer dagegen sind noch einmal gefordert: Was am Abend zuvor aufgebaut worden ist, muss nun wieder abgebaut und aufgeräumt werden. So ein Heimkampf ist eben eine gehörige Herausforderung, sportlich wie organisatorisch.